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Ein Kompass liegt auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Die Tower Bridge in London bei Nacht.
Foto: Sonja Trabandt

Im Ausland Studieren in Nordeuropa

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Auch wenn das Studiensystem im Zuge des Bologna-Prozesses europaweit vereinheitlicht wurde – die Hochschulsysteme und das Studierendenleben sehen in Nordeuropa teils anders aus als in Deutschland. Zwischen den Systemen der Länder Nordeuropas gibt es allerdings einige Parallelen. „Das skandinavische Hochschulsystem nehmen deutsche Studierende zu Recht als dem britischen recht ähnlich wahr“, sagt Wolfgang Gairing, Leiter des Referates West-, Nord- und Südeuropa beim DAAD. „Kleingruppenarbeit, kurze Wege und wenig Bürokratie, dazu zudem weitestgehend englischsprachige Angebote sprechen viele sehr an.“

Großbritannien: Studiengebühren und intensive Betreuung

Großbritannien war 2017 neben den USA das beliebteste Ziel für Auslandsaufenthalte deutscher Studierender, wie aus Zahlen von DAAD und dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung hervorgeht. Ob sich die Reihenfolge mit dem geplanten Brexit ändern wird, lässt sich noch nicht vorhersagen. Es könnten sich aber einige Änderungen für Studierende aus Deutschland ergeben, zum Beispiel auch bei den Studiengebühren (mehr Infos dazu im Interview).

Foto von Dr. Georg Krawietz.

Dr. Georg Krawietz

Foto: DAAD/Außenstelle London

„Das Studium an staatlichen Hochschulen ist in Deutschland von Sozialbeiträgen abgesehen gebührenfrei. In Großbritannien kostet es, und zwar erheblich“, weiß Dr. Georg Krawietz, Leiter des DAAD-Büros in London. „Die Regelungen in den Landesteilen sind dabei unterschiedlich. In England etwa liegen die Gebühren für ein drei- oder vierjähriges Bachelorstudium bei 9.000 oder 9.250 britischen Pfund im Jahr.“ Doch für Studierende aus dem Ausland gibt es einige Finanzierungsmöglichkeiten. Wer zum Beispiel mit Erasmus+ gefördert wird, muss keine Studiengebühren bezahlen (siehe Erfahrungsbericht „Günstig Leben in Großbritannien“).

Abgesehen von den Studiengebühren gibt es weitere Unterschiede: Masterstudiengänge sind in Großbritannien meist nur einjährig. Das wirkt sich zum Beispiel auf die inhaltliche Breite aus. Für Hausarbeiten und Essays, die im britischen System eine größere Rolle spielen, haben Studierende deshalb häufig nicht viel Zeit. „Die Betreuung der Studierenden – das sogenannte ‚tutoring‘ oder ‚pastoral care‘ ist dafür an britischen Hochschulen oft intensiver, als viele es aus Deutschland gewohnt sind“, sagt Georg Krawietz.

Schweden: flexible Möglichkeiten

Auch in Schweden ist an den Hochschulen einiges anders als in Deutschland. „Hier gibt es flexiblere Möglichkeiten zur Wahl von Kursen oder Fachschwerpunkten, allerdings je nach gewähltem Fach teilweise in stark verschulter Form mit festen Stundenplänen“, erklärt Dr. Andrea Meixner, DAAD-Lektorin an der Universität in Uppsala.

Das Betreuungsverhältnis und die individuellen Beratungsangebote beschreibt sie als insgesamt sehr gut. „Es besteht oft ein wesentlich engerer Kontakt zwischen Lehrenden und Studierenden als an größeren deutschen Universitäten.“ Auch das Notensystem ist anders als in Deutschland. „Allerdings können die Noten für internationale Studierende auf Anfrage meist abweichend entsprechend einer ‚internationalen‘ Skala eingetragen werden“, erklärt sie.

In Schweden gibt es zwischen den Semestern nur im Sommer eine lange Unterbrechung. „Während dieser Phase hat man wenig bis keine studentischen Verpflichtungen, also auch keine Hausarbeiten oder Prüfungen“, weiß Andrea Meixner. „Das bedeutet aber auch: Vor allem im Juli haben die meisten universitären Einrichtungen – wenn überhaupt – nur eingeschränkte Öffnungszeiten. Organisatorische Fragen sollte man also vorher geklärt haben.“

Island: Überschaubare Hochschullandschaft

Es könnte sich aber auch lohnen, einmal nach Island zu blicken. Mit seinen sieben Hochschulen – darunter drei private – ist das Land der Geysire überschaubar. „Island ist anders als der Rest von Skandinavien“, lautet das Fazit von Aune Stolz, DAAD-Lektorin an der Háskóli Íslands in Reykjavík. „Vieles hier wirkt unorganisiert, was aber den Vorteil hat, dass auch sehr spontan und unbürokratisch gehandelt werden kann.“ Der Umgang mit den Dozent(inn)en gilt als ungezwungen, es ist üblich, sie mit Vornamen anzusprechen.

Ein wichtiger Punkt, den deutsche Studierende bei der Planung beachten sollten: Nicht alle Studiengänge werden auch als Masterstudiengang angeboten. Das muss vor allem bei der Anrechnung von Studienleistungen berücksichtigt werden.

Englischkenntnisse sind meist ausreichend

Grundsätzlich gilt auch außerhalb Großbritanniens: Mit Englisch kommt man bei einem Studium in Nordeuropa gut zurecht. So werden auch in Schweden und Island viele Studiengänge in englischer Sprache angeboten (siehe Erfahrungsbericht „Englisch in Island“). In Island kann es aber passieren, dass bei zu wenig englischsprachigen Teilnehmer(inne)n der Unterricht auf Isländisch stattfindet. Der Zugang zu Studiengängen in der Landessprache ist in der Regel nur mit einem entsprechenden Sprachzertifikat möglich.

Grundkenntnisse der jeweiligen Sprache sind aber natürlich immer von Vorteil. „Es ist sehr sinnvoll, bereits vor Studienantritt einen Sprachkurs zu besuchen“, betont Dr. Caroline Merkel, DAAD-Lektorin an der Universität Stockholm. „Zwar bieten die Hochschulen Sprachkurse für ausländische Studierende an, die Anfängerkurse sind aber oft sehr stark nachgefragt und völlig überfüllt. Wer Vorkenntnisse mitbringt, kann vor Ort gleich in einem fortgeschrittenen Kurs weiterlernen.“

Rechtzeitig planen und absichern

Auf eins sollten sich Interessierte außerdem frühzeitig einstellen: Die Lebenshaltungskosten sind in allen nordeuropäischen Ländern durchschnittlich höher als in Deutschland, dies gilt ganz besonders für die Mieten in größeren oder beliebten Städten wie London, Oxford und Cambridge, Stockholm oder Reykjavik. Weil die Wohnungssituation dort meist sehr angespannt ist, ist es wichtig, sich schon sehr früh um eine Wohnung zu kümmern (siehe Erfahrungsbericht „Korridorsleben in Schweden“). Auch andere Semesterstrukturen – etwa früherer Semesterbeginn als in Deutschland – können eine zeitigere Planung erfordern. So startet das Wintersemester in Island und Schweden bereits im September, das Frühjahrssemester im Januar. In Großbritannien sind teilweise auch drei Trimester statt zwei Semester möglich. Bei der Planung hilft das International Office der Heimathochschule.

Interview

Auf allen Ebenen gut vorbereitet

Wie lässt sich ein Auslandsaufenthalt finanzieren und was sollte man schon vorher bedenken? Barbara Hasenmüller, Stellvertretende Leiterin und Koordinatorin EU-Bildungsprogramme beim International Office der Universität Bremen, gibt Antworten.

studienwahl.de: Frau Hasenmüller, welche Möglichkeiten haben Studierende, um einen Auslandsaufenthalt in Nordeuropa zu finanzieren?

Foto von Barbara Hasenmüller.

Barbara Hasenmüller

Foto: Privat

Barbara Hasenmüller: Die Hauptfinanzierungsmöglichkeit ist das Erasmus+-Programm. Wer einen Platz bekommt, braucht im Gastland keine Studiengebühren zu bezahlen und erhält zusätzlich einen je nach Ländergruppe variierenden Förderbetrag pro Monat. Wer ein ganzes Jahr im Ausland studieren möchte, kann sich beim DAAD für ein Jahresstipendium bewerben. Allerdings muss dies sehr frühzeitig erfolgen, Studierende müssen hervorragende Leistungen mitbringen und die Konkurrenz ist hier groß.

studienwahl.de: Wie sieht es beim BAföG aus?

Barbara Hasenmüller: Studierende, die in Deutschland BAföG beziehen, haben auch einen Anspruch auf Auslands-BAföG. Auch alle, die hier kein BAföG bekommen, sollten prüfen, ob sie Auslands-BAföG erhalten, denn die Bemessungsgrenze wird dabei etwas höher angesetzt. Zusätzlich kann man einen Bildungskredit beantragen. Es ist aber ratsam, sich vorher schon etwas anzusparen.

studienwahl.de: Und was ist, wenn ich ohne eine Programmförderung ins Ausland möchte?

Barbara Hasenmüller: Studierende können sich bei ausländischen Hochschulen auch eigenständig als Free Mover bewerben. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, dass dann Studiengebühren anfallen. Diese können zwar bis zu einer Höhe von 4600 Euro auch über Auslands-BAföG finanziert werden. Bei einem Aufenthalt in England reicht das aber nicht aus.

studienwahl.de: Haben Sie Tipps, wie Studierende schon von Deutschland aus eine günstige Unterkunft am Zielort finden können?

Barbara Hasenmüller: Der Vorteil bei einem Aufenthalt über eine Hochschulkooperation ist, dass auch die Wohnungssuche unterstützt wird. So haben die Partnerhochschulen oft Kontingente in Wohnheimen oder können zumindest hilfreiche Infos geben. Auch sollte man die Wohnungssuche mit einer gewissen Lockerheit angehen und nicht erwarten, dass immer alles perfekt geregelt ist. Grundsätzlich gilt: In den großen Städten ist es eher schwieriger und auch teurer, während im ländlicheren Bereich oft mehr möglich ist. So könnte es sich zum Beispiel in Schweden lohnen, an einer kleineren Hochschule zu studieren und dann lieber Ausflüge nach Stockholm zu machen.

studienwahl.de:Hat der Brexit schon jetzt Auswirkungen auf einen Studienaufenthalt in Großbritannien, oder sind demnächst welche zu erwarten?

Barbara Hasenmüller: Derzeit gibt es noch keine Auswirkungen, da der Austritt noch nicht vollzogen wurde. Es besteht Hoffnung, dass bis zum Ende der jetzigen Programmlaufzeit, also bis 2020, alles so bleibt wie es ist. Alles Weitere wird sich zeigen müssen. Ob es weiterhin Länderprogramme geben wird, hängt auch davon ab, worauf sich die britische Regierung einlassen wird. Wer nach Großbritannien möchte, sollte also auf dem Laufenden bleiben. Die Hochschulen informieren natürlich auch intern über den aktuellen Stand der Dinge.

Erfahrungsberichte

Günstig leben in Großbritannien

Johanna Plückhahn (24) studiert im sechsten Bachelorsemester „Soziale Arbeit“ an der Frankfurt University of Applied Sciences. Sie verbrachte ein Wintersemester in Kingston Upon Hull an der University of Hull.

Foto von Johanna Plückhahn.

Johanna Plückhahn

Foto: Privat

„Mich hat der Auslandaufenthalt sowohl auf einer akademischen als auch auf einer persönlichen Ebene bereichert. Zum einen war es mir möglich, vor Ort Fächer zu studieren, die am Schwerpunkt meines Studiums in Deutschland anknüpften und mich auf meinen Master vorbereiteten. Zum anderen brachte mich der Aufenthalt sprachlich weiter; ich konnte mein Sprachniveau vor allem im Bereich des Hörverstehens deutlich verbessern.

Bezüglich der Finanzierung ist zu berücksichtigen, dass Hull als eine der günstigsten Städte in Großbritannien gilt und das Pfund zum damaligen Zeitpunkt sehr schwach war. Somit waren die Ausgaben – zumindest was den täglichen Bedarf anging – nicht wesentlich höher als in Frankfurt. Zudem bekam ich gute finanzielle Unterstützung über die Erasmus+-Förderung, etwa 430 Euro monatlich. Dadurch, dass ich ein sehr preiswertes Zimmer bei einer Gastfamilie bewohnte und mein WG-Zimmer in Frankfurt während der Zeit untervermietete, fielen auch für die Unterkunft nur geringe Kosten an. Durch meine Eltern bekam ich darüber hinaus finanzielle Unterstützung in Form eines monatlichen Taschengeldes. Alles in Allem kam ich gut mit meinem verfügbaren Geld zurecht. Am teuersten gestalteten sich etwa Reisen, die ich an den Wochenenden unternahm.“

„Korridorsleben“ in Schweden

Florens Bach (24) ist im fünften Semester des Masterstudiengangs „Materialwissenschaften und Werkstofftechnik“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er studierte zwei Semester an der Linköpings Universitet in Schweden.

Foto von Florens Bach.

Florens Bach

Foto: Privat

„Durch meinen Aufenthalt habe ich das sogenannte Korridorsleben kennengelernt – so wohnt man als Studierender in Schweden. Weil Unterkünfte besonders zum Wintersemester rar sind, haben die Universitäten speziell für Studierende die ‚Korridore‘ organisiert. Das sind lange Flure in Wohnblöcken, an denen acht Zimmer mit jeweils eigenem Bad liegen. Außerdem gibt es pro Korridor eine Küche, einen Gemeinschaftsraum und einen Raum mit Gefriertruhen. Für Internet, Strom, Wasser und Heizung zahlt man einen Festbetrag und muss sich um nichts mehr kümmern

Ich habe die letzten elf Monate meines Aufenthaltes in solch einem Korridor verbracht. Weil ich auf diesen Platz etwas warten musste, hatte ich die ersten drei Wochen mit einem Zimmer auf einem kleinen Bauernhof überbrückt.

Mir haben der Aufenthalt in Schweden und das internationale Miteinander an der Uni so gut gefallen, dass ich nach dem regulären Auslandssemester noch ein weiteres angehängt habe. Beides war im Rahmen des Erasmus+ Programms möglich. Im zweiten Semester habe ich eine Projektarbeit als Vorbereitung für meine Masterarbeit geschrieben.“

Englisch in Island

Konstantin Huber (24) studiert im dritten Semester den Masterstudiengang „Geologische Wissenschaften“ an der Freien Universität Berlin. An der Háskóli Íslands in Reykjavik verbrachte er viereinhalb Monate.

Foto von Konstantin Huber.

Konstantin Huber

Foto: Privat

„In Island ist manches anders als in anderen Erasmus+-Ländern. Die Landessprache brauchte ich zum Beispiel nicht zu sprechen. Auch aufgrund des stark ausgeprägten Tourismus ist dort Englisch auf hohem Niveau im Alltag überall gebräuchlich. So habe ich eben meine Englischkenntnisse verbessern können.

Vor allem aber konnte ich wertvolle Kontakte zu anderen Geowissenschaftler(inne)n aus ganz Europa knüpfen, weil die Geologie in Island viel stärker vertreten ist als in Deutschland. Interessant fand ich, dass die Struktur des Masterstudiums und auch das Prüfungssystem anders sind als bei uns. Kurse finden nur entweder in der ersten oder in der zweiten Hälfte des Semesters statt und sind dadurch intensiver. Und man hat keine große Abschlussklausur am Ende des Semesters, sondern viel häufiger kleinere Abgaben wie Hausaufgaben, Referate oder Übungsblätter. Daraus setzt sich die Note zusammen.

Herausforderungen waren der äußerst schwierige Wohnungsmarkt, der öffentliche Nahverkehr – Reykjavik ist eher eine Autostadt – und die lange Dunkelheit. Ende Dezember war es nur vier Stunden am Tag hell. Dafür wird man entschädigt mit spektakulären Landschaften und sehr netten Menschen. Für mich waren auch die besonderen und zahlreichen geologischen Strukturen und Gesteine die ganze Sache wert sowie das wissenschaftliche Netzwerk, das ich dort ausbauen konnte.“

Weitere Informationen

studienwahl.de
Rubrik: Im Ausland
www.studienwahl.de/de/chstudieren/chim_ausland.htm

abi»
Rubrik: Wo studieren? > Ausland
www.abi.de/studium/studienpraxis_campus/ausland.htm

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
www.daad.de

Erasmus+
www.erasmusplus.de

Study UK
Offizielles Informationsportal zum Studium in Großbritannien
https://study-uk.britishcouncil.org

Study in Sweden
Offizielles Informationsportal zum Studium in Schweden
www.studyinsweden.se

Study in Iceland
Offizielles Informationsportal zum Studium in Island
study.iceland.is

Hochschulkompass
Informationen zu deutschen Hochschulen und deren internationalen Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Hinweis: Links in älteren Themen des Monats werden nicht aktualisiert.

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