Logo Stiftung für Hochschulzulassung Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo studienwahl.de
Ein Kompass liegt auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Ein vollgepackter Notfallkoffer.
Medizinstudierende erwartet ein vollgepacktes Studium und danach gute Jobaussichten mit vielfältigen Aufgaben. Foto: Nicole Schwab

Medizin studieren Im Dienst am Menschen

Drucken Versenden

Ärztin werden? Das war für Marlene Walter früher eine unliebsame Vorstellung. „In meiner Schulzeit gab es lange nichts, was mir ferner lag“, erzählt die heute 25-Jährige. Der Grund: Marlene Walter stammt aus einer Ärztefamilie – Vater, Mutter, Bruder, alle Mediziner. „Da wollte ich als Jugendliche natürlich etwas ganz anderes machen“, erzählt sie.

Am Ende folgte sie doch der Familientradition und begann in Jena mit dem Medizinstudium. „Ich habe gemerkt, dass dieser Beruf meine Interessen vereint: das naturwissenschaftliche Arbeiten und den Kontakt mit Menschen.“

Marlene Walter

Marlene Walter

Foto: Privat

Nach dem Physikum, also der umfassenden Prüfung am Ende des ersten Studienabschnitts, verließ Marlene Walter die Uni Jena Richtung Frankfurt und bestand dort ihr zweites Staatsexamen. Seit fast einem Jahr absolviert sie ihr Praktisches Jahr an den Lehrkrankenhäusern in Frankfurt und bekommt Einblicke in die beiden Pflichtbereiche Innere Medizin und Chirurgie sowie in ihr Wahlfach Neurologie – Praxiseinsätze, die ihr von Anfang an große Freude bereiteten. „Man merkt, wofür man während des Studiums sechs Jahre lang die Zähne zusammengebissen und wirklich viel gepaukt hat“, betont sie.

In wenigen Wochen stehen für Marlene Walter die letzten mündlichen Prüfungen an. Anschließend will sie eine fachliche Weiterbildung zur Internistin machen: „In der Inneren Medizin fühle ich mich am wohlsten – auch, weil ich mich intensiver mit den Patienten und ihren persönlichen Hintergründen befassen kann als in vielen anderen Gebieten.“

Hohe Nachfrage

Die Humanmedizin gehört zu den begehrtesten Studiengängen in Deutschland. Für das Wintersemester 2017/18 haben sich über hochschulstart.de mehr als 43.000 Studieninteressierte um einen der rund 9.200 freien Plätze beworben. Auf jeden Studienplatz kamen demnach fast fünf Bewerber/-innen. Wer keinen Einserschnitt im Abitur vorweisen kann, muss darum gegebenenfalls lange auf einen Studienplatz warten –zurzeit beträgt die Wartezeit nach Angaben der Stiftung für Hochschulzulassung 14 Semester.

Joachim Kreuder

Joachim Kreuder, Studiendekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen

Foto: Privat

„Die Medizinstudienplätze werden in einem bundesweiten Verfahren zu 20 Prozent nach Wartezeit und zu 20 Prozent nach Qualifikation (Abiturnote) vergeben“, erklärt Joachim Kreuder, Studiendekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Die restlichen 60 Prozent werden im sogenannten Auswahlverfahren der Hochschule vergeben, dessen Kriterien jede Universität in einem vorgegebenen Rahmen eigenständig festlegt.“ Zwar ist auch hier der Notendurchschnitt der Hochschulzugangsberechtigung das führende Einzelkriterium, doch haben die meisten medizinischen Fakultäten/Fachbereiche inzwischen zusätzliche Auswahlkriterien für die Studienplatzvergabe festgelegt, z.B. das Absolvieren eines freiwilligen sozialen Jahrs oder ein Auswahlgespräch. „Diese Kriterien werden von Universität zu Universität unterschiedlich gewichtet“, ergänzt der Experte. „So haben die Universitäten in Leipzig und Gießen eine Quote für Bewerberinnen und Bewerber mit medizinnaher Berufserfahrung festgelegt. Zahlreiche Fakultäten berücksichtigen auch das Ergebnis eines bundesweit einheitlich angebotenen Studierfähigkeitstests in ihrem Auswahlverfahren.“

Eine Übersicht der Auswahlkriterien der einzelnen Hochschulen kann im Studienangebot für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge auf www.hochschulstart.de eingesehen werden.

Drei Studienabschnitte

Wer einen Studienplatz ergattert hat, dem steht ein langer Weg bevor. „Das Medizinstudium dauert gemäß den Vorgaben der bundesweit geltenden Approbationsordnung für Ärzte mindestens 6 Jahre und 3 Monate an einer Universität und umfasst mindestens 5.500 Stunden“, erklärt Joachim Kreuder. Es gliedert sich in die drei Abschnitte Vorklinik, Klinik und Praktisches Jahr (PJ), die jeweils durch Staatsprüfungen abgeschlossen werden. Der erste Abschnitt dauert in der Regel zwei Jahre, die anschließende Klinik drei Jahre. Zusätzlich sind ein dreimonatiges Krankenpflegepraktikum sowie eine Famulatur vorgeschrieben. Dabei handelt es sich um ein viermonatiges Praktikum. Zwei Monate müssen in einem Krankenhaus oder einer stationären Rehabilitationseinrichtung absolviert werden; einen Monat verbringen die Studierenden in einer Arztpraxis oder ambulanten Einrichtung und einen weiteren in einer Hausarztpraxis.

„Die klassische Trennung zwischen vorklinischem und klinischem Studienabschnitt wird in Reform- oder Modellstudiengängen durch eine vorgezogene Zusammenführung von vorklinischen und klinischen Studieninhalten und den Verzicht auf den ersten Teil der Ärztlichen Prüfung aufgehoben“, ergänzt Joachim Kreuder.

Nicht nur fachliches Wissen gefragt

Studierende der Medizin brauchen nicht nur eine hohe Lernbereitschaft: „Auch kognitive Fähigkeiten, psychische Belastungsfähigkeit sowie Organisationstalent spielen eine große Rolle“, sagt Joachim Kreuder. „Sehr wesentliche und für die klinische Medizin unerlässliche Eigenschaften sind zudem Hilfsbereitschaft und Empathie-Fähigkeit sowie hohe kommunikative Kompetenz und Kooperationsbereitschaft.“ Deshalb empfiehlt er, das Krankenpflegepraktikum sehr frühzeitig zu absolvieren, gegebenenfalls schon in der Entscheidungsphase vor dem Medizinstudium, um den eigenen Umgang mit Patient(inn)en und deren Krankheit selbstkritisch zu reflektieren.

Sehr gute Berufsaussichten

Absolvent(inn)en des Medizinstudiums werden für ihre Mühen entlohnt – sie müssen nicht lange eine Stelle suchen, wie auch Sabine Sklenarz, Beraterin für den Bereich Studien- und Berufsorientierung der Agentur für Arbeit in Düsseldorf, betont: „Die Berufsaussichten sind sehr gut – auch für diejenigen, die eine Tätigkeit in der Forschung anstreben oder sich selbstständig machen wollen.“ Vor allem in ländlichen Gegenden werden dringend Nachwuchsmediziner/-innen gesucht. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) haben viele niedergelassene Ärzte/Ärztinnen im hausärztlichen Bereich Schwierigkeiten, eine/n Nachfolger/-in zu finden. Demnach gab es im letzten Quartal 2016 bundesweit mehr als 2.700 freie Hausarztsitze – rund 600 mehr als im Vorjahr. Mittlerweile wurden Initiativen ins Leben gerufen, die dieser Entwicklung entgegenwirken sollen, beispielsweise mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 von Bund und Ländern. Dieser ermöglicht den Ländern die Einführung einer so genannten Landarztquote.

Im Arbeitsmarktbericht „Akademikerinnen und Akademiker“ zählt die Bundesagentur für Arbeit etwa 379.000 berufstätige Ärzte/Ärztinnen. Seit Jahren steigt die Zahl. Und auch außerhalb der Klinik, der Praxis und der Forschung bieten sich laut Sabine Sklenarz zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, beispielsweise in der pharmazeutischen Beratung, dem Medizinjournalismus, in Gesundheitsämtern und bei Krankenkassen.

Studienreportage: Medizinstudium

„Die Arbeit mit Menschen reizt mich“

Das Studium der Medizin verlangt Colin Kull (21) einiges ab. Der Student im siebten Semester findet allerdings, dass sich der Einsatz lohnt.

Frau lernt an einem Körper-Modell mit medizinischem Buch.

Foto: Julia Hendrysiak

Schon mit 16 Jahren stand für Colin Kull fest, dass er eines Tages Medizin studieren würde. Damals begann er, als Rettungssanitäter beim Malteser Hilfsdienst zu arbeiten und merkte schnell: Das möchte er auch beruflich machen. „Die Arbeit mit Menschen, die Möglichkeit, kranken Leuten helfen zu können, hat mich gereizt“, sagt der heute 21-Jährige.

Um einen der begehrten Studienplätze zu bekommen, absolvierte Colin Kull den kostenpflichtigen „Test für medizinische Studiengänge“, kurz TMS. Bei diesem Studierfähigkeitstest wird das Verständnis für naturwissenschaftliche und medizinische Problemstellungen sowie Fähigkeiten wie etwa räumliches Vorstellungsvermögen oder Merkfähigkeit abgeprüft. Das Ergebnis wird von einigen Universitäten bei der Bewerbung berücksichtigt. So kann man seine Chancen auf die Zulassung für das Fach Medizin steigern. Für Colin Kull ist diese Rechnung aufgegangen: Mit einem sehr guten Ergebnis im TMS und einer Abiturdurchschnittsnote von 1,4 erhielt der gebürtige Karlsruher sofort einen Studienplatz.

Grundlagenunterricht in den ersten Semestern

Colin Kull

Colin Kull

Foto: Privat

Drei Jahre ist das mittlerweile her. Heute studiert Colin Kull im siebten Semester an der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg in Mannheim. „In den ersten vier Semestern steht vor allem die Theorie im Vordergrund“, erzählt Colin Kull. „Dabei werden Grundlagenfächer wie Biochemie, Anatomie oder Physiologie gelehrt und man erfährt, wie einzelne Organe arbeiten: Wie funktioniert das Herz? Was macht die Lunge?“

Nach zwei Jahren absolvierten Colin Kull und seine Kommiliton(inn)en ihre erste große Prüfung, das Physikum. Dabei wurden alle zuvor gelernten Inhalte noch einmal abgeprüft. Die intensive Lernerei, die damit einhergeht, und die, das betont Colin Kull, typisch sei für das Fach, wird belohnt: „Anschließend wird das Studium zunehmend praktischer“, sagt Colin. „Und man kommt endlich in Kontakt mit Patienten.“ Der Unterricht findet ab sofort nicht mehr ausschließlich im Hörsaal statt, sondern führt die Studierenden im Rahmen von Seminaren auch ans Krankenbett. Hinzu kommen mit den sogenannten Famulaturen vier einmonatige Praxiseinsätze in Krankenhäusern oder Arztpraxen, deren Schwerpunkte sich die Studierenden selbst aussuchen dürfen. Wenn alles klappt, möchte Colin Kull eine dieser Stationen im Ausland verbringen, in Skandinavien oder in den USA.

Nach dem Abschluss in die Kardiologie

Wohin es nach dem Staatsexamen gehen soll, da hat er auch schon eine Vorstellung: „Ich interessiere mich sehr für die Kardiologie, also dem Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit den Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems beschäftigt, weil man dort viel diagnostisch machen kann, ohne den Patienten unter das Messer zu legen.“

Als Rettungssanitäter arbeitet Colin Kull übrigens immer noch: „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man das Gelernte anwenden kann und man umgekehrt plötzlich weiß, welche Theorie hinter dem steckt, was man schon seit Jahren praktiziert.“

Berufsreportage: Mediziner

Berufswunsch Landarzt

Krankenhaus in einer Großstadt oder Arztpraxis auf dem Land? Für Benjamin Tscheuschner (35) stand die Entscheidung schnell fest: Die guten Arbeitsbedingungen und die Möglichkeit, Beruf und Familie zu kombinieren, führten ihn in die Allgemeinmedizin.

Auf einer Überweisung liegt ein Steoskop.

Foto: Nicole Schwab

Familienleben und Beruf vereinen: Dieses Ziel hatte Benjamin Tscheuschner vor Augen, als er sich dazu entschied, die Praxis eines 71-jährigen Kollegen in Althütte zu übernehmen. Der 4.000-Einwohner-Ort liegt mitten im Schwäbischen Wald, ganz in der Nähe von Benjamin Tscheuschners Wohnort. Für ihn ist das so etwas wie die Erfüllung seiner Träume: „Die Praxis liegt so nah an meinem Zuhause, dass es sogar möglich ist, gemeinsam mit meinen mittlerweile zwei Kindern und meiner Frau zu Mittag zu essen, ehe es in die Praxis zurückgeht“, erklärt der 35-Jährige, der bis vor Kurzem noch in der Praxis seines Schwiegervaters in Ludwigsburg tätig war.

Eine anspruchsvolle Tätigkeit

Die Arbeit als Allgemeinmediziner empfindet er als sehr abwechslungsreich: „Ich behandle Patienten zwischen zwei und 100 Jahren, da ist alles dabei – von der Magenverstimmung, über Diabetes bis hin zur Impfung oder der Erstellung einer Langzeit-Blutdruckmessung.“ Da er häufig auch mit psychosomatischen Fällen zu tun hat, absolvierte Benjamin Tscheuschner zudem eine Weiterbildung in der Psychotherapie. „Ich möchte mir die nötige Zeit für meine Patienten nehmen und entgegen der oft gehörten Behauptung, dass ein Allgemeinmediziner sehr unter Zeitdruck stehe, gelingt mir das auch. Wenn ich sehe, dass Patienten eine längere Untersuchung oder ein längeres Gespräch benötigen, dann darf der Termin auch schon mal eine Stunde dauern.“

Benjamin Tscheuschner

Benjamin Tscheuschner

Foto: Privat

Dass der Beruf des Allgemeinmediziners mancherorts unter Ärzten nicht den besten Ruf genießt, weiß Benjamin Tscheuschner. Anfechten kann ihn das aber nicht. Er empfindet seine Arbeit teilweise sogar als größere Herausforderung als jene, die er früher in der Klinik geleistet hat, schließlich müsse man viele unterschiedliche Organsysteme und Krankheiten kennen und einen guten medizinischen Überblick haben. Hinzu kommen die administrativen Aufgaben, die ein Allgemeinmediziner leisten muss. „Zugegeben, der bürokratische Aufwand ist nicht zu unterschätzen und kann manchmal sehr belasten. Gleichzeitig muss ich sagen, dass ich nie gedacht hätte, wie viel Spaß mir der betriebswirtschaftliche Teil der Arbeit machen würde.“ Und außerdem: „Viele Kollegen, denen ich erzähle, wie gut ich Familie und Beruf unter einen Hut bekomme, sind erstaunt und wünschen sich Ähnliches auch für sich.“

Von der Klinik zur eigenen Praxis

Dabei hatte Benjamin Tscheuschner ursprünglich ganz andere Berufspläne. „Während meines Studiums in Tübingen und der Zeit als Assistenzarzt stand für mich eigentlich fest, dass ich eines Tages als Intensivmediziner im Krankenhaus arbeiten werde“, erzählt der 35-Jährige. Dass er heute als Allgemeinmediziner tätig ist, verdankt er der Geburt seines ersten Sohnes: „Mit dem Wissen, dass meine Frau und ich ein Kind bekommen würden, begann das große Umdenken“, erinnert er sich. Nachtschichten, Wochenenddienste sowie Einsätze an Feiertagen erschienen dem angehenden Familienvater nicht mehr allzu verlockend. Der promovierte Mediziner suchte nach einer Stelle mit größerer Freiheit und Flexibilität. Dieser Weg führte ihn zunächst nach Ludwigsburg und schließlich zur eigenen Praxis in Althütte.

Weitere Informationen

studienwahl.de
Studienfeld „Medizin“
www.studienwahl.de/de/studieren/studienfelder/medizin-gesundheitswesen/medizin0159.htm

abi.de
Rubrik „Mathematik und Naturwissenschaften studieren“
www.abi.de/studium/studiengaenge/grundstaendige/mn.htm?zg=schueler

Stiftung für Hochschulzulassung
Informationen zur Bewerbung um ein Medizinstudium
www.hochschulstart.de

BERUFENET
Stichwort „Arzt“ oder „Medizin“
https://berufenet.arbeitsagentur.de

Test für medizinische Studiengänge
Informtionen zum TMS
www.tms-info.org/tms-info/index.php?id=tms-infostartseite

BERUFE.TV
Film über das Medizinstudium
www.berufe.tv/studienberufe/medizin-2/medizin/

Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland
www.bvmd.de

Ärztevereinigung Marburger Bund
www.marburger-bund.de

ZDF-Dokumentation über das Leben eines Landarztes
www.youtube.com/watch?v=fbmoZF9pe2E

Der WDR berichtet über die Versuche der Eifel und des Sauerlands den Ärztemangel auf dem Land zu lösen
www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/hier-und-heute-reportage/video-landarzt-dringend-gesucht---wie-eifel-und-sauerland-den-aerztemangel-loesen-100.html

Hinweis: Links in älteren Themen des Monats werden nicht aktualisiert.

Drucken Versenden
Nach obenNach oben
Signet Finder
Geprüft von den Ländern der Bundesrepublik Deutschland
Bedienungshinweis
17726
Studiengänge
443
Hochschulen
Erweiterte Suche Deutschlandkarte Bedienungshinweis
Suchergebnisfenster schließen
Treffervorschau
Studiengängez.B.:
Buchinhalte:
Aktuelle Beiträge: